„Ach ja, das kenne ich”: Alltag mit ADHS, Autismus und was „neurodivergent” eigentlich heißt
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Du stehst in der Küche und weißt nicht mehr, warum. Der Kaffee wird kalt, weil dir mittendrin etwas anderes eingefallen ist. Oder du kommst nach einem normalen Tag nach Hause und bist leer, als hättest du Schwerstarbeit geleistet, obwohl „nichts” war. Das Licht im Büro, das Gemurmel, der Pulli, der kratzt: Alles war ein bisschen zu viel.
Solche Momente kennen viele. Bei manchen Menschen sind sie aber nicht die Ausnahme, sondern der Alltag. Dafür gibt es Begriffe wie ADHS und Autismus. Hier ein paar einfache Gedanken dazu.
Wenn der Kopf nie ganz leise wird
ADHS wird oft mit zappelnden Kindern verbunden, aber es hört mit der Kindheit nicht automatisch auf. Auch Erwachsene mit ADHS sind häufig impulsiv und vergesslich, und viele beschreiben ein dauerhaftes Gefühl innerer Unruhe. Das kann sich so anfühlen: Man hat hundert Dinge im Kopf, fängt viel an und kommt schwer zur Ruhe. Das hat nichts mit Faulheit oder fehlendem Willen zu tun. Nach Angaben der Fachgesellschaft DGPPN sind etwa zwei bis drei Prozent der Erwachsenen betroffen.
Wenn die Welt zu laut, zu hell, zu eng ist
Autismus zeigt sich bei jedem anders. Typisch sind aber unter anderem Schwierigkeiten beim Wechsel von einer Tätigkeit zur nächsten, ein ausgeprägter Blick fürs Detail und ungewöhnliche Reaktionen auf Sinneseindrücke. In den Diagnosekriterien steht dazu zum Beispiel eine starke Abneigung gegen bestimmte Geräusche oder Materialien. Dass ein Etikett im Pulli unerträglich sein kann oder ein Raum voller Stimmen erschöpft, ist also nichts, was man sich einbildet. Die WHO schätzt, dass etwa eines von 100 Kindern autistisch ist. Das ist ein Durchschnittswert, und die Bedürfnisse autistischer Menschen sind sehr unterschiedlich.
Und „neurodivergent”?
Das ist ein Sammelbegriff, der gerade viel benutzt wird. Gemeint sind Menschen, deren Denken, Aufmerksamkeit oder Wahrnehmung von dem abweicht, was die Gesellschaft als Norm ansieht. Dazu zählen unter anderem ADHS und Autismus. Der Begriff will nichts bewerten, er sagt nur: Köpfe arbeiten unterschiedlich. Alle Menschen gehören zur Neurodiversität, auch die, die dem Durchschnitt entsprechen.
Warum viele es erst spät merken
Manche Menschen erfahren erst als Erwachsene, warum sie sich ihr Leben lang „anders” gefühlt haben. Autismus wird oft erst deutlich später diagnostiziert, obwohl er schon in der frühen Kindheit erkennbar sein kann. Auch bei ADHS wissen viele Erwachsene nichts davon, weil sie nie eine Diagnose bekommen haben. Wenn du dich in diesem Text wiederfindest, ist das ein Anlass zum Nachdenken, aber noch keine Diagnose. Wenn dich solche Dinge belasten, sprich mit einer Ärztin, einem Psychologen oder einer Beratungsstelle. Informationen und Selbsthilfe gibt es zum Beispiel bei ADHS Deutschland e. V. und autismus Deutschland e. V.
Für alle, die „nur manchmal” so fühlen
Auch wenn du nichts davon hast, kennst du vielleicht diese Tage, an denen alles etwas viel ist. Das ist menschlich. Es macht dich nicht automatisch neurodivergent, aber es erlaubt dir, mit dir freundlicher umzugehen.